Mann mit Profil, Geistesschärfe
und sozialem Engagement
Gert Ellenberger von IHK Heilbronn-Franken für Lehrtätigkeit gelobt - Wirtschaftsprüfer mit deutlicher Sprache - Mäzen und Sportler
Von Jürgen Dieter Ueckert
Nur vor Gott und seiner Frau habe er Respekt, ansonsten riskiere er oftmals Kopf und Kragen. Vor allem, wenn es sich um Fragen von Recht und Unrecht handele. Gert Ellenberger engagiert sich stark, ob nun politisch, karitativ oder in seinem Beruf als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Warum aber beständig und so kraftvoll? "Weil ich diesem Staate dankbar bin, ich möchte etwas von dem zurückgeben, was ich geschenkt bekam.
"Dem Sozialdemokraten und hessischen Ministerpräsidenten der Nachkriegszeit, Georg August Zinn, ist Ellenberger zum Beispiel dankbar: "Weil ich ohne Schulgeld und Studiengeld eine Ausbildung erhielt, die mein Leben reich gemacht hat, nicht nur im materiellen Sinne." Trotz dieser Hochachtung, seine politische Heimat ist und bleibt die christliche Union.Mit Vorträgen und in Diskussionen unterstützt er Edmund Stoiber, den Kanzlerkandidaten aus Bayern. Kanzler Gerhard Schröder hält er zwar "für einen fähigen Mann, einen großen Kommunikator", der aber "zuviel Rücksicht auf bestimmte Gruppen" nehmen müsse. Ellenberger wünscht sich aber andere Rahmenbedingungen, vor allem für den Mittelstand, seinem wirtschaftspolitischen Lieblingskind. Und das garantiere für ihn allein der bayrische Ministerpräsident.
Im Sternzeichen des Löwen wurde Gert Ellenberger am 30. Juli 1934 im nordhessischen Beiseförth geboren. Seine Familie (Männerberuf vornehmlich Mediziner) lässt sich bis ins 16. Jahrhundert im hessischen Homberg zurückverfolgen. Ellenberger studierte in Marburg und Frankfurt am Main; Examen als Diplomkaufmann 1959; mit einem religionssoziologischen Thema wurde er 1962 zum Doktor der Nationalökonomie promoviert - "meine ganze Liebe galt der Philosophie, vor allem Cicero und Kant".
Aber da er ein "Riesenangebot" der damals renommierten Frankfurter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen ("1.150 Mark Monatsgehalt bekam, schob er die Geisteswissenschaft in die Hobbyecke. 1977 kam er wegen der Familie seiner Frau ("eine engagierte Grundschullehrerin in der Heilbronner Dammschule") ins Unterland, machte sich 1979 mit seiner Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft in Neckarsulm selbstständig.
Zehn Jahre engagierte er sich als Vorsitzender der CDU Mittelstandsvereinigung (MIT), deren Ehrenvorsitzender er seit 1991 ist. Steuerreform und Privatisierung der Staatsbetriebe sind vor allem seine Themen. Lothar Späth, der frühere Ministerpräsident, soll gestöhnt haben: "Haltet mir den Ellenberger mit seinen Vorschlägen zurück."Reizworte sind für Ellenberger "Gefälligkeitsdemokratie", maßloses Anspruchsdenken - der Wirtschaftsprüfer liebt seine Unabhängigkeit: "Deshalb mache ich in meiner Partei und in meinem Beruf niemals auf Du." Sozialer Ausgleich ist ihm sehr wichtig. Bei jenen, die politische Macht missbrauchen, fehlt dem Protestanten Gert Ellenberger ("calvinistisch geprägt, nicht lutherisch") oft die moralische Autorität. Darin sieht er auch den Grund für jene Korruption, die insbesondere die beiden großen Parteien derzeit wie eine Krankheit befallen haben. Ausgleich zu Beruf und Politik sind ihm Sport, klassische Musik und Philosophie.
In rund 30 Vereinigungen und Vereinen ist Ellenberger Mitglied. Seit 57 Jahren betreibt er Mannschaftssport - zunächst 30 Jahre als Fußballer, seit 26 Jahren im Tennis. Vor allem fördert er die Jugendarbeit. Aber auch in der Kunst hilft er: So hat er seiner Heimat zwei Denkmäler gespendet. Stolz ist er auf seine Tochter, promovierte Ärztin, und seinen 11jährigen Enkel ("Tennisspieler, Pfadfinder und Trompetenspieler in zwei Orchestern").Für seine 25-jährige Lehrtätigkeit als Dozent (Steuer- und Unternehmensberatung) bei der Industrie- und Handelskammer wurde Ellenberger jetzt von IHK-Präsident Günter Steffen geehrt. Der "Mann mit Profil", der für seine Geistesschärfe und sein soziales Engagement bekannt sei, spreche eine deutliche Sprache und gebe der Wirtschaft die richtigen Impulse.
echo am Sonntag, Heilbronn, 24. 03. 2002
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