Samstag, 20. Januar 2024

Portrait - Rainer Gebauer, Junge Union (1979)

Das Portrait

Rainer Gebauer

Kreisvorsitzender der Jungen Union Heilbronn-Land

und Student

Von Jürgen Dieter Ueckert

Er fühlt sich als Neckarsulmer - „weil ich hier aufgewachsen bin“. Das sagt bewußt Rainer Gebauer, der in Heilbronn am 24. Mai 1957 geborene - und derzeit in Würzburg studiert. Das Licht dieser Welt erblickte Gebauer in einer Heilbronner Klink in der Lerchenstraße. Die Familie der Gebauers stammt aus Sudentenland. Der Großvater war Schuhmachermeister. Für den galt als Arbeit und Familie“, so sagte der Enkel heute, „Er hatte bis zu seinem Lebensende geschuftet, praktisch bis er den Löffel hinlegen musste.“

Der Vater Rainer Gebauers – Sohn jenes erwähnten Schuhmachermeisters – arbeitet als technischer Angestellter in Heilbronn. Die Mutter stammt aus einer Heilbronner Familie und ist heute als Hausfrau tätig.  Ein weiteres Familienmitglied ist eine zwölfjährige Schwester.

„Ich wuchs im katholischen Milieu auf und war seit frühester Kindheit vom christlichen Glauben geprägt.“ Und Rainer Gebauer war  von seinem Glauben begeistert. Kindliche Frömmigkeit, Heiligengeschichten, das absolute „Gut-Sein-Wollen“ – das bewegte der Jugendlichen. „In der Pubertät wuchsen dann die Zweifel und Vorbehalte gegen die Hierarchie in der katholischen Kirche. Vor allem drückte sich das in der Ablehnung des Papsttums aus.“

Mit zehn Jahren trat Gebauer den katholischen Pfadfindern bei („Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg“). „Freizeiten im Sommer, die Ordnung und auch die Unterordnung, Leitbilder annehmen – das begeisterte mich. Für mich als Einzelkind damals – so sehe ich das heute  – war das sehr wichtig.“

Gebauer ist immer noch sehr aktiv im kirchlichen Leben tätig. „In der Schulzeit war ich in einem Liturgieteam tätig. Wir haben versucht, der Kleinwelt einer Kirchengemeinde, die uns sehr verkrustet erschien, eine neue Form zu geben. Jazzmessen wurden abgehalten. Wir lasen  auch mal Texte von Karl Marx und Mao Tse Tung. Um zum Denken anzuregen. Wir wollten  einfach  etwas auf die Füße stellen, etwas bewegen  in der Nachfolge des Zweiten Vatikanischen Konzils.“

Gebauer liest ab und zu seiner katholischen Kirchengemeinde Texte aus der Bibel vor. Das heißt für ihn, er ist „Lektor“ in seiner Gemeinde tätig. Erinnerungen an seine Kindergartenzeit – das sind ein Leben in einer christlichen Sphäre. Das heißt für Gebauer in seiner Studienzeit momentan in Würzburg, „weil an jeder Ecke eine Nonne steht – und da weiß ich, dass man sich auf die verlassen kann.“

Schon im Alter von zehn Jahren begann Rainer Gebauer sich für Politik zu interessieren. „Die Tode Adenauers und Kennedys, ich erinnere mich genau daran, machten mich sehr betroffen.“ In seiner Klasse war er der einzige, der mit elf Jahren schon die Tageszeitung las.

„Damals war ich rein emotional schon der CDU nahestehend, obwohl ich in dieser Zeit keiner politischen Organisation angehörte. Eine Kusine meiner Mutter war acht Jahre hindurch Sekretärin Adenauers. Und die erzählte vom ‚Alten‘, ihrem Chef. Da konnte ich vieles erfahren, was der Normalbürger nicht wissen konnte.“

Von 1967 bis 1976 besuchte Rainer Gebauer das Albert-Schweizer-Gymnasium in Neckarsulm. „Ich würde mich als Menschen einstufen, der immer fleißig gearbeitet hat.  Die Schule  hatte ich nie als Last empfunden. Ich würde sogar sagen, ich war dankbar, soviel lernen   zu können. Die Mitschüler, die ihre Schulzeiten angekotzt hatten, die nicht weitermachen wollten, die habe ich nie verstanden.“

Gebauers Jahrgang war das „Experimentier-Kaninchen“ für die Oberstufenreform. Deutsch und Französisch waren Gebauer Schwerpunktfächer. „Ich hatte einen hervorragenden Deutschlehrer, der uns beibrachte, zu formulieren, Texte zu begreifen und zu interpretieren. Ich habe sehr viel Nutzen daraus gezogen.“ Erfolg für seine fleißige Schularbeit: Rainer Gebauer erhielt beim Abitur den Scheffel-Preis für die beste Deutschnote - und hinzu noch einen Preis für gute Leistungen.

„Für mich selber hatte ich nach dem Abitur aus christlichen Motiven kurz überlegt, den Wehrdienst mit der Waffe zu verweigern. Aber dann habe ich die Bundeswehrzeit doch bewusst angenommen. Ich wollte mich nicht drum herumdrücken.“ Gebauer kam in eine Panzerkompanie, „die für Außenstehende oft das Image von Seemannsleuten und Messerstechern haben kann.“

Trotz den ‚rauen Klimas‘ wurde Gebauer zum Vertrauensmann gewählt. Das Problem Alkoholismus seiner Kameraden versuchte er im „Kleinkampf“ anzugehen. Gebauer sieht – heute im Range eines Fähnrichs – sich trotzdem als „kritischer Soldat“.

„Ich habe auch  gesehen, wie manche unteren Dienstgrade versuchten, Menschen kaputt zu machen oder Soldaten zu diskriminieren. Was mich am meisten ärgerte war, dass Abiturienten, die sich als Intellektuelle aufgeführt haben, so versagt haben, einfach resignierten, ihre Zeit absaßen, um auf den Studienplatz zu warten.“

Verschiedene Berufe standen für Gebauer nach dem Wehrdienst zu Diskussion: Katholischer Priester („Die Frage hatte ich für mich auszudiskutieren, grundsätzlich. Nicht nur wegen des Zölibats. Ich glaube, dass die katholische Kirche viele aktive Laien benötigt.“). Lehrer („Auf keinen Fall. Der Beruf ist mir schon in der Jugendzeit aufgestoßen.“). Oder Jurist („Ein Berufsbild, das nicht von vornherein so stark festgelegt ist. Von persönlichen Ambitionen und der politischen Arbeit hergesehen entschloss ich mich dazu“). Gebauer studiert jetzt im dritten Semester Rechtswissenschaften in Würzburg.

Zur Jungen Union kam Rainer Gebauer 1974. „Der Neckarsulmer Ortverband bestand damals aus drei Personen, die sich nur mit sich selbst beschäftigten.“ Kommissarisch leitete Gebauer die Junge Union in Neckarsulm und hatte bei Landtags- und Bundestagswahl 1976 schon vierzig Mitglieder im CDU-Ortsverband.

„Wir brachten auch kommunalpolitisch etwas in Bewegung und erschreckten nicht davor zurück, den Oberbürgermeister Dr. Erhard Klotz von der SPD anzuschießen.“ Gebauer bemängelt heute: „Der Gemeinderat besitzt nicht das Bewusstsein, eine Kontrollorgans der Verwaltung zu sein. Die Fraktionen bemühen sich zu wenig, ihre politischen Linien herauszustreichen. Politik ist reduziert auf den Glanz eines selbstbewussten OB‘s.“ Für den Kreistags- und Gemeinderatswahl im Herbst 1979 will Gebauer kandidieren, um endlich seine Politik auch parlamentarisch umzusetzen.

Noch heute ist Gebauer Vorsitzender des Junge-Union-Ortsverbandes Neckarsulm. Außerdem ist er Beisitzer im CDU-Stadtverband Neckarsulm und Ersatzkandidat (Platz 13) auf der Europa-Landesliste der CDU.

Mitglied seiner Partei war Gebauer 1976 geworden. Stellvertretender Vorsitzender der Jungen Union im Kreisverbandes Heilbronn-Land wurde er 1976. Im Januar 1978 wurde er zum Junge-Union-Vorsitzenden im Unterland gewählt. Im Januar 1979 Wiederwahl.

„Wenn einige Menschen mich als Linken in der Jungen Union bezeichnen, ist das infam. Ich versuche, ein christlicher Demokrat zu sein. Die Schlagworte ‚konservativ und liberal‘, das ist für mich zu wenig. Ich verstehe den christlichen Auftrag als Hefe in meiner Partei. Die Konzeption einer CDU als Volkspartei finde ich nicht schlecht. Ein Zurück zu einer Zentrumspartei lehne ich ab. Vielleicht ist man mal soweit, wenn man zu viele Frustrationen erlebt hat.“

Die Junge Union hatte in den vergangenen Jahren sehr viele Mitglieder gewonnen. Hat die Organisation das verkraftet? Rainer Gebauer kritisch: „Verarbeitet hat die Junge-Union-Organisation das noch nicht. Die Zielsetzung hat nicht durchgeschlagen. Wir stehen heute einer Masse von Leuten da, die man auf Grillfesten und Discos geworben wurden, denen man aber nicht geholfen hat. Die scheinbar heile Welt der Discos und John Travolta’s, die Flucht in einen Narzissmus – das schlägt sich natürlich auch auf eine politische Organisation der Jungen Union  nieder, die eine viertel Million Mitglieder hat. Wir müssen in voller Schärfe vermitteln, worum es uns bei der Jungen Union geht.“

„Eine Politik für die Freiheit – Glück für die Menschen“ – dieser CDU-Slogan für die Europa-Wahl wurde jetzt von der christliche Partei abgelehnt. Gebauer: „Ich finde den Slogan nicht so schlecht. Wir müssen auch dem Menschen Hoffnung geben, unsere Alternative herauszustellen. Uns fehlt manchmal die Gelassenheit, die den Christen eigen sein sollte. Ich bin trotzdem der vollen Überzeugung, dass wir Christdemokraten, längerfristig gesehen, die bessere Weltanschauung haben. Wenn wir wollen, dann sind wir auf der Siegesstraße.“

Neckar-Express, Nummer 3, Seite 4

Donnerstag 15.02.1979

 

Donnerstag, 20. März 2014

Zum echo-Abschied - Heilbronner Stimme (2008/2009)

Vollblutjournalist muss 

kürzer treten

Heilbronn, 22.01.2009 - Medien ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Seit 1974 hat Jürgen Dieter Ueckert nie etwas mehr interessiert als „Was ist los auf der Welt, was passiert in unserer Region?“ Und dann natürlich: „Was habe ich dazu zu sagen?“ Dennoch musste sich der Echo-Chefredakteur mit 60 krankheitsbedingt in den Ruhestand verabschieden.

Von Stefan Raffai
 
Heilbronn - Medien ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Seit 1974 hat Jürgen Dieter Ueckert (Foto: Kubasik) nie etwas mehr interessiert als „Was ist los auf der Welt, was passiert in unserer Region?“ Und dann natürlich: „Was habe ich dazu zu sagen?“ Dennoch musste sich der Echo-Chefredakteur mit 60 krankheitsbedingt in den Ruhestand verabschieden.

Als Chefredakteur einer Schülerzeitung beginnt „jdu“ seine journalistische Karriere. Mit Germanistik-Studium und rhetorischer Begabung wäre er vielleicht auch ein guter Lehrer oder Pfarrer geworden. 1974 ist er erster Praktikant beim noch jungen Südfunk-Studio in Heilbronn. Die freie Mitarbeit in der SDR-Kulturredaktion ist spannend. Wegen so manch bissiger Kritik schreiben Theaterintendanten böse Beschwerden - aber in Heilbronn wird das Fähnlein des wackeren Radio-Journalismus hochgehalten.
Nach einem Volontariat beim Neckar Express bleibt Jürgen Dieter Ueckert beim Anzeigenblatt, dessen Redaktion er ab 1983 leitet. Als „Kiliansmännle“ hat er sich nie geoutet, aber jeder verfolgt mit großem Interesse die kritischen Blicke auf das regionale Geschehen.

Freiberuflich ist Ueckert weiter Radiomann und zögert keine Sekunde, hauptberuflich beim neuen Radio Regional einzusteigen. Unter der Regie der Heilbronner Stimme und Beteiligung der Partnerverlage entsteht ab November 1987 der Privatsender, Ueckert leistet Pionierarbeit. Hier kann er seine Mikrofon-Erfahrung voll einbringen. Insbesondere auch bei der Ausbildung des Nachwuchses. Viele „Ehemalige“ haben inzwischen leitende Positionen bei öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehanstalten. Nach der Neulizensierung 1994 ist es nicht mehr „Ueckerts Radio“, er geht wieder zum Neckar Express.

Echo-Erfolgsstory

Vor zehn Jahren dann der Wechsel zum noch frischen Wochenblatt Echo. Erst stellvertretender, ab Juli 2000 dann Chefredakteur spornt jdu sein engagiertes Team zu Aktualität und Qualität an - weit über das Maß eines Anzeigenblattes hinaus. Die mittwochs und sonntags erscheinende Zeitung hat sich längst einen geachteten Platz in der Medienlandschaft erobert. Michael Schwarz, seit 1. Januar neuer Redaktionsleiter, kann nahtlos an der Echo-Erfolgsstory weiter schreiben.

Für den Medien-Menschen Ueckert ist die neue Rolle als „Jung-Rentner“ noch etwas ungewohnt. Fern von Amt und Titel kann er jetzt so manches gelassener sehen. Auch den täglichen Waldspaziergang lässt der ehemalige „Kampf-Jogger“ etwas langsamer angehen.

Heilbronner Stimme,  22.01.2009

Mittwoch, 24. Juni 2009

Ein Heilbronner Lehrstück politischer Kultur (1996)

Millionen-Skandal
im Heilbronner Rathaus
Von Jürgen Dieter Ueckert

Heilbronn will als Metropole des schwäbischen Unterlandes und Hauptstadt der Region Franken seit Jahren schon sein schlechtes Image verbessern. Aber je mehr die Stadtoberen sich abstrampeln, desto tiefer versinken sie in einem Sumpf von Skandalen und überregionalen Negativschlagzeilen. Jüngstes Beispiel: Baden-Württembergs SPD-Spitzenkandidat Dieter Spöri verliert nicht nur haushoch die Landtagswahl, sondern auch sein Heilbronner Direktmandat an die biedere CDU-Hausfrau Johanna Lichy - trotz der vielen Landesmittel, die der SPD-Wirtschaftsminister als „Goldregen über die Stadt“ zur Freude des CDU-Oberbürgermeisters Manfred Weinmann („Ich nehme Geld, woher ich es kriegen kann.“) kurz vor der Wahl verteilte.

Spöris Heilbronner Niederlage korrespondiert jetzt mit einem Millionen-Skandal im Rathaus, der Bürgern und Stadträte die Zornesröte ins Gesicht treibt. Mehr als fünf Jahre lang hat ein 53jähriger Angestellter im Beschaffungsamt der Stadt - laut Staatsanwaltschaft - „leicht über fünf Millionen Mark“ mit fingierten Rechnungen beiseite geschafft. Nur durch einen Hinweis von außen ist man dem Betrüger im Rathaus auf die Schliche gekommen. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft. Am vergangenen Freitag wurden zwei weitere Verdächtige, ein 26 jährige Frau und 46 jähriger Mann, aus dem Düsseldorfer Raum festgenommen. Drei Israelis, die ebenfalls in den Heilbronner Betrugsskandal verwickelt sind, haben sich in ihre Heimat abgesetzt.

Aufgefallen war der überhöhte Posten für Büromaterialien im Heilbronner Stadthaushalt weder der Verwaltung noch den Gemeinderäten bei ihren alljährlichen Haushaltsberatungen. Wenn mal nachgehakt wurde, dann - so der CDU-Rat Thomas Strobl - „wurden von der Verwaltung derartige Fragen abgeschmettert“. Jetzt steht Oberbürgermeister Manfred Weinmann unter schwerem Beschuß seines Gemeinderates. Hatte er doch, als die Affaire im Februar diesen Jahres öffentlich wurde, sich noch seelenruhig in den Skiurlaub abgemeldet. Die Stadt wollte damals die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft mit Erklärungen nicht behindern. Jetzt wirft der OB den Heilbronner Staatsanwälten „überraschende Auskunftsfreudigkeit“ vor. Das hätte das Informationsverhalten der Stadt bei den Medien in Mißkredit gebracht.

Die fünfköpfige Bürgermeisterriege Heilbronns ist wegen des Millionenbetrugs zunehmend verunsichert. Hat sie doch vor Augen, wie der 40-Millionen-Betrugsskandal des Neckarwestheimer Bürgermeister Horst Armbrust im vergangenen Jahr eine Gemeinde im Landkreis Heilbronn über Monate hinweg lähmte. Hinzu kommt, daß im Rathaus schon lange ein Gutachten in den Schubladen lag, das die unhaltbaren Zustände im Beschaffungsamt beschrieb. Der verantwortlicher Dezernent für das Hauptamt, dem die Beschaffungsstelle zugeordnet ist, heißt Oberbürgermeister Weinmann. Er hatte seinen zuständigen Amtsleiter nach der Aufdeckung des Skandals sofort an eine andere Stelle im Rathaus versetzt, jedoch nicht - wie vom Hauptamtsleiter gefordert - sofort ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Das habe Zeit bis nach Abschluß der Untersuchungen. Die Staatsanwaltschaft bescheinigt ihm jetzt nur, daß keinerlei Hinweise auf einen kriminellen Vorsatz bei seinem Verhalten gebe.

Die Stadtverwaltung verkündet weiterhin blauäugig, der Untreue-Skandal sei dadurch möglich geworden, daß kriminelle Energie und Arglosigkeit die bestehenden Kontrollen außer Kraft gesetzt hätten. Im vorliegenden Gutachten über die Arbeit des Hauptamtes wurden jedoch schon Lage vor dem Bekanntwerden des Fünf-Millionen-Skandals den Mitarbeitern „im Arbeitsverhalten und in der Arbeitsleistung gravierende Mängel“ bescheinigt. Dem Abteilungsleiter wurde gar ins Stammbuch geschrieben: er weise „Mängel in der Ausübung der Führungsfunktionen“ auf. Die Frage, warum er den OB nicht unverzüglich über die skandalösen Zustände in seinem Amt, die das Gutachten aufgedeckt hatte, unterrichtet habe, beantwortet der Hauptamtsleiter mit dem lapidaren Satz: „Ich habe den OB nicht unterrichtet, weil ich ihn nicht unnötig beunruhigen wollte.“

Alle Fraktionen im Heilbronner Gemeinderat - von den Republikanern bis zu den Grünen - verlangen jetzt vom Oberbürgermeister eine vollständige Aufklärung der skandalösen Zustände in seinem Hauptamt. Erstmals in der Geschichte der Nachkriegszeit wurde auf Antrag der CDU sogar ein Untersuchungsausschuß vom Gemeinderat eingesetzt. Die Republikaner stellten gar Strafanzeige wegen „Verletzung der Aufsichtspflicht“ gegen OB Weinmann. Rep-Stadtrat Alfred Dagenbach: „Die Verantwortung endet nicht beim Hauptamtsleiter, sondern beim Oberbürgermeister.“ CDU-Stadtrat Artur Kübler assistierte: „Es gibt für diese Geschehnisse auch einen politisch Verantwortlichen.“ Und für die SPD ist laut Fraktionsvorsitzenden Friedrich Niethammer die Behandlung des Heilbronner Skandals durch die Stadtverwaltung ein „Lehrstück politischer Kultur heutiger Tage“. Hat sich doch der Leiter des Rechnungsprüfungsamtes gerade jetzt in den Urlaub abgemeldet. Kommentar eines Stadtrats: „Wie der Herr, so‘s Gescherr.“

Sonntag aktuell, Stuttgart (1996)
Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberg
Neckar Express, Heilbronn

Roman Götzmann, neuer baden-württembergischer Juso-Landeschef (2006)

Vom Ministranten
zum Juso-Landeschef
Von Jürgen Dieter Ueckert

SELBSTBEWUSSTSEIN ist bei den Jungsozialisten kein Fremdwort. Denn bei ihrer Analyse des schlechten SPD-Landtagswahlergebnisses steht am Ende das schlichte Wort Tiefpunkt ("Unser Wahlkampf hat niemanden interessiert"). Daraus ergibt sich: "Die Partei droht, in personellen Kleinkriegen und in Konzeptions- und Strategielosigkeit zu versinken." Die SPD-Youngster sparen weder mit harter Kritik an ihrer Mutterpartei noch mit Eigenlob: "Trotz allem waren es auch in diesem Wahlkampf die Jusos, die die Fahne der SPD hochgehalten haben." Trotz aussichtsloser Lage, der Juso-Kampfesmut - attestiert sich heute die SPD-Jugend - ist ungebrochen: "Als sich in der Partei Resignation breit machte, waren es die Jusos, die die Wahlkampfaktivitäten vielerorts beinahe im Alleingang bestritten."

DAS LANDESTREFFEN der Jusos wird mit dem Wortungetüm "Landesdelegiertenkonferenz" umschrieben. An diesem Wochenende findet es dreitägig in Heilbronn-Neckargartach statt. Heilbronns scheidender SPD-Bau-Bürgermeister Ulrich Frey begrüßte die 200 SPD-Nachwuchskräfte in der Neckarhalle im einst "württembergischen Liverpool". Er zeigte sich "persönlich berührt" vom herzlichen Juso-Empfang, denn "ich habe auch weniger gute Tage in der Sozialdemokratie gesehen". Gemeint war, dass die Heilbronner SPD im Machtpoker um die Bürgermeister-Posten Frey fallen gelassen hatte. Herbert Burkhardt, SPD-Stadtrat, lobte die Jusos als wichtigen Teil der Partei und forderte sie dazu auf, Netzwerke zu bilden, "auch wenn ihr dafür beschimpft werdet". Burkhardt kämpferisch aufmunternd: "Sorgt dafür, dass der eine oder andere in der Partei mit einem dicken Hals nach Hause geht."

DIE JUSOS fühlen sich im Gegensatz zur SPD im Aufwind - Bundesvorsitzender Björn Böhning: "Über 11.000 junge Menschen sind in den letzten Monaten bei uns eingetreten." Der scheidende Juso-Landesvorsitzende Hendrik Bednarz (27), Rechtsreferendar aus Balingen, übergibt nach drei Amtsjahren seinem Nachfolger Roman Götzmann (24) aus Waghäusel, Student der Politikwissenschaft in Mannheim, einen Landesverband mit rund 6.300 Mitgliedern. "Zurück zur Volkspartei" lautet die Überschrift eines Strategiepapiers, mit dem die Jungsozialisten "den ersten Aufschlag zur strategischen Neuausrichtung der Landes-SPD" angeregt haben.


FUSSBALLFAN ist der neue Juso-Landesvorsitzende. Und wie als Fan des Karlsruher Sportclubs KSC, so hofft Roman Götzmann auch auf einen Aufstieg seiner Partei in die Landes- und Bundesspitze. Ausdauer bringt der Jungpolitiker mit. Denn als bekennender Katholik hat er schon zwölf Jahre als Messdiener in der Wallfahrtskirche Waghäusel hinter sich. Berührungsängste zur Kirche hegt er keine: "Von den Sozialprogrammen der beiden großen Kirchen kann sich so mancher Sozialdemokrat noch eine Scheibe abschneiden."SCHWERPUNKT für die künftige Arbeit der Jungsozialisten in Baden-Württemberg sei die "inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema "Armut". Die Jusos wollen sich dabei für diejenigen einsetzen, so Götzmann, die "die Solidarität der Gesellschaft am nötigsten haben". Dass die SPD auf vielen Feldern der Sozialpolitik in Konkurrenz zur neuen Linkspartei steht, ficht Götzmann nicht an: "Die arbeiten nach dem Motto Freibier für alle und spielen verantwortungslos mit den Ängsten der Menschen."


LEHRLINGE sind bei den Jusos nach wie vor die Ausnahme. Sowohl die SPD als auch die Jusos entwickeln sich immer mehr zur Akademiker-Polit-Organisation. Götzmann: "Der Arbeitnehmer-Anteil ist bei uns nicht so hoch wie er sein könnte - Schüler und Studenten bilden die Mehrheit, deshalb suchen wir ja den Kontakt zur Gewerkschaftsjugend zum gegenseitigen Austausch von Lebenswelten." - Eine neue Juso-Politik unter dem Seefahrer-Motto des Landestreffens in Neckargartach: "Klare Konzepte, klare Linien - frischer Wind für Südwest".

FÜR DIE FUSSBALL-WM wünscht sich "Fan" Roman Götzmann privat, "dass die deutsche Mannschaft soweit kommt, wie es irgendwie geht". Und politisch: "Dass die Fussballweltmeisterschaft ein Freudenfest für alle sein wird."

echo am Sonntag, Heilbronn, 07. 05. 2006

Dr. Gert Ellenberger von IHK gelobt (2002)

Mann mit Profil, Geistesschärfe
und sozialem Engagement
Gert Ellenberger von IHK Heilbronn-Franken für Lehrtätigkeit gelobt - Wirtschaftsprüfer mit deutlicher Sprache - Mäzen und Sportler
Von Jürgen Dieter Ueckert

Nur vor Gott und seiner Frau habe er Respekt, ansonsten riskiere er oftmals Kopf und Kragen. Vor allem, wenn es sich um Fragen von Recht und Unrecht handele. Gert Ellenberger engagiert sich stark, ob nun politisch, karitativ oder in seinem Beruf als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Warum aber beständig und so kraftvoll? "Weil ich diesem Staate dankbar bin, ich möchte etwas von dem zurückgeben, was ich geschenkt bekam.

"Dem Sozialdemokraten und hessischen Ministerpräsidenten der Nachkriegszeit, Georg August Zinn, ist Ellenberger zum Beispiel dankbar: "Weil ich ohne Schulgeld und Studiengeld eine Ausbildung erhielt, die mein Leben reich gemacht hat, nicht nur im materiellen Sinne." Trotz dieser Hochachtung, seine politische Heimat ist und bleibt die christliche Union.Mit Vorträgen und in Diskussionen unterstützt er Edmund Stoiber, den Kanzlerkandidaten aus Bayern. Kanzler Gerhard Schröder hält er zwar "für einen fähigen Mann, einen großen Kommunikator", der aber "zuviel Rücksicht auf bestimmte Gruppen" nehmen müsse. Ellenberger wünscht sich aber andere Rahmenbedingungen, vor allem für den Mittelstand, seinem wirtschaftspolitischen Lieblingskind. Und das garantiere für ihn allein der bayrische Ministerpräsident.

Im Sternzeichen des Löwen wurde Gert Ellenberger am 30. Juli 1934 im nordhessischen Beiseförth geboren. Seine Familie (Männerberuf vornehmlich Mediziner) lässt sich bis ins 16. Jahrhundert im hessischen Homberg zurückverfolgen. Ellenberger studierte in Marburg und Frankfurt am Main; Examen als Diplomkaufmann 1959; mit einem religionssoziologischen Thema wurde er 1962 zum Doktor der Nationalökonomie promoviert - "meine ganze Liebe galt der Philosophie, vor allem Cicero und Kant".

Aber da er ein "Riesenangebot" der damals renommierten Frankfurter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen ("1.150 Mark Monatsgehalt bekam, schob er die Geisteswissenschaft in die Hobbyecke. 1977 kam er wegen der Familie seiner Frau ("eine engagierte Grundschullehrerin in der Heilbronner Dammschule") ins Unterland, machte sich 1979 mit seiner Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft in Neckarsulm selbstständig.

Zehn Jahre engagierte er sich als Vorsitzender der CDU Mittelstandsvereinigung (MIT), deren Ehrenvorsitzender er seit 1991 ist. Steuerreform und Privatisierung der Staatsbetriebe sind vor allem seine Themen. Lothar Späth, der frühere Ministerpräsident, soll gestöhnt haben: "Haltet mir den Ellenberger mit seinen Vorschlägen zurück."Reizworte sind für Ellenberger "Gefälligkeitsdemokratie", maßloses Anspruchsdenken - der Wirtschaftsprüfer liebt seine Unabhängigkeit: "Deshalb mache ich in meiner Partei und in meinem Beruf niemals auf Du." Sozialer Ausgleich ist ihm sehr wichtig. Bei jenen, die politische Macht missbrauchen, fehlt dem Protestanten Gert Ellenberger ("calvinistisch geprägt, nicht lutherisch") oft die moralische Autorität. Darin sieht er auch den Grund für jene Korruption, die insbesondere die beiden großen Parteien derzeit wie eine Krankheit befallen haben. Ausgleich zu Beruf und Politik sind ihm Sport, klassische Musik und Philosophie.

In rund 30 Vereinigungen und Vereinen ist Ellenberger Mitglied. Seit 57 Jahren betreibt er Mannschaftssport - zunächst 30 Jahre als Fußballer, seit 26 Jahren im Tennis. Vor allem fördert er die Jugendarbeit. Aber auch in der Kunst hilft er: So hat er seiner Heimat zwei Denkmäler gespendet. Stolz ist er auf seine Tochter, promovierte Ärztin, und seinen 11jährigen Enkel ("Tennisspieler, Pfadfinder und Trompetenspieler in zwei Orchestern").Für seine 25-jährige Lehrtätigkeit als Dozent (Steuer- und Unternehmensberatung) bei der Industrie- und Handelskammer wurde Ellenberger jetzt von IHK-Präsident Günter Steffen geehrt. Der "Mann mit Profil", der für seine Geistesschärfe und sein soziales Engagement bekannt sei, spreche eine deutliche Sprache und gebe der Wirtschaft die richtigen Impulse.

echo am Sonntag, Heilbronn, 24. 03. 2002